2026: Lichtenau/Spessart
Reise ins nicht digitalisierte Gebiet
– Die Kultour des Jahres 2026: mit Frühstart, aber ohne Netzabdeckung –

Die lustigen Herrenwanderer im Jahr 2026 – immer noch (halbwegs) mobil und (in jedem Fall) gut gelaunt!
Analoge Aufzeichnungen eines Chronisten
Donnerstag, 17. September 2026
Die Herrenwanderung ist immer wieder für eine Überraschung gut: Schon um 11 Uhr hatte Bushido als diesjähriger Tourmaster seine Gefolgschaft (mit einer Ausnahme) vors Ärztehaus einbestellt, um einen frühen Aufbruch in das kollektive Ereignis des Jahres möglich zu machen. Und oh Wunder: Nahezu pünktlich verließen die Herren in zwei Automobilen den traditionellen Startpunkt in Richtung Aschaffenburg, wo sich die Truppe nach einer knappen Stunde mit the one and only Richter i.R. Joe aus Rödermark unter großem Hallo im „Café am Markt“ bei Kaffee und einem Imbiss zu fast voller Größe wiedervereinigte. Lediglich Doktor Schoko musste dem Treiben in diesem Jahr fernbleiben; er war bei einem 80-jährigen Jubilar als Gast im Wort.
Um die Mittagszeit stand dann eine Führung durch das Aschaffenburger
„Schloss Johannisburg“ auf dem Programm, das vom 13. Jahrhundert bis ins Jahr 1803 Zweitresidenz der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten war. Das heutige Schloss wurde von 1605 bis 1614 vom Straßburger Baumeister Georg Ridinger errichtet, im Zweiten Weltkrieg jedoch durch mehrere Bomben schwer getroffen, weshalb es fast vollständig ausbrannte. Doch schon bald nach Kriegsende begannen die Aschaffenburger mit dem Wiederaufbau; im Jahre 1964 konnte das Schloss schließlich wiedereröffnet werden. All das und noch viel mehr erzählte die Fremdenführerin Monika Kurek vital und lebendig den staunenden Herren, die vor allem auch von der in der Johannisburg untergebrachten Gemäldesammlung der Staatsgalerie Aschaffenburg sowie der weltweit größten Sammlung historischer Korkmodelle antiker römischer Bauwerke beeindruckt waren.
Nach so viel Kultur war erst mal eine Verschnaufpause im „S-Salon“ in der Fußgängerzone der Innenstadt nötig (Joe schwärmte in höchsten Tönen von den freundlichen Vietnamesinnen, die Speis’ und Trank heranbrachten), bevor man sich per pedes in Richtung
„Pompejanum“ begab, wo schon bald wieder die grün-karierte Bluse von Frau Kurek (samt Inhalt) erstrahlte und allen den Weg durch den großartigen Nachbau einer römischen Villa aus dem Jahr 1840 wies. Die Wanderer bewunderten hier vor allem die farblich akzentuierte Innenraumgestaltung, genossen aber auch gleichzeitig das herrliche Aschaffenburg-Panorama, das sich ihnen vom „Pompejanum“ aus bot.
Bereits um 17 Uhr strebte man dann dem „Schlappeseppel“ entgegen, um sich – nachdem der kulturelle Durst gestillt war – ein paar Bierchen sowie ein gutes frühes Abendessen einzuverleiben. Die ersten Wellen beherzter Fröhlichkeit erfüllten die Gaststube; man kam langsam auf Betriebstemperatur. Freilich blieb alles im Rahmen, schließlich hatte man noch eine gute halbe Stunde Autofahrt vor sich bis zum Basislager der Truppe im nicht digitalisierten Gebiet, genauer: in der Lichtenau bei Rothenbuch.
Dort, wo sich Fuchs und Hase ohne WLAN- und Netzabdeckung gute Nacht sagen, traf man im Dunkeln im
„Gasthaus im Hochspessart“ ein und bezog die Zimmer, deren ursprünglich schlichter Charme alle sieben Mann sofort für sich einnahm. Bevor jedoch die Nachttischlämpchen erloschen, saß das Septett erst noch – ganz unter sich – gemütlich in einem holzgetäfelten Gaststübchen zusammen und fiel dort über eine Vesperplatte mit Schinken und Käse her, deren Belag mit Bier und Wein schnell in sämtliche Bäuche gespült wurde. Tourmaster Bushido verloste die Zimmer und überraschte danach mit einer ganz besonderen Weinflasche, dem „Königstropfen“ nämlich, letztes Zeugnis aus der einst zehnteiligen „edition h“, die er im Jahr 2008 anlässlich seines 50. Geburtstags von den Herren erhalten hatte. Man glaubt es kaum: Der Wein war durchaus noch trinkbar und ließ natürlich schöne Erinnerungen an den unvergessenen Freund O’Hara und damit auch an Van Benderchem wach werden. Abgefüllt, satt und glücklich wankte man noch vor Mitternacht den Betten entgegen.
Alle Labels der „edition h“ am laufenden Band ... als wär’s gestern gewesen! :-))
Freitag, 18. September 2026
Ein Frühstücksei für jeden, Müsli, Käse und Schinken sowie eine Auswahl an frischen Brötchen stand samt Kaffee, Tee und Orangensaft am Morgen im gemütlichen Frühstücksraum des „Gasthauses im Hochspessart“ zur Stärkung bereit – bei Jürgen und Joe ergänzt durch eine ordentliche Portion Powerpulver (Kreatin Monohydrat), das unmittelbar nach Zuführung in die Muskeln schoss. Freilich konnte im Anschluss nur Jürgen die Energiezufuhr auf die Strecke bringen, denn Jörg verblieb im Basislager, da er seine Knie schonen musste. Frohgemut ging’s durch Wald und Wiesen, an kleinen Seen und Schafherden entlang: Die Wanderer ließen sich auch durch kleinere anfängliche Orientierungsschwierigkeiten nicht vom Kurs abbringen und erreichten so wohlbehalten (und nach einer kleinen Verschnaufpause) das schöne Rothenbuch, wo schon der Löwe des gleichnamigen Gasthofs brüllte und für jeden ein warmes Mittagessen bereitstellte.
Der Weg zurück verlief weitgehend problemlos, sodass die Herrschaften gegen 16.30 Uhr wieder in der Lichtenau eintrafen, dort die müden Körper erholten und schließlich ein wunderbares Abendessen genießen konnten. Schnell war klar: Zuhause (= im „Gasthaus im Hochspessart“) schmeckt’s am besten. Die Gespräche waren entspannt, die Stimmung optimal, doch Exzesse kamen nur noch in schemenhaften Erinnerungen vor. Ein schöner Abschluss des ersten Wandertags.
Samstag, 19. September 2026
Verhältnismäßig früh drängte der Tourmaster am Samstag zum Aufbruch, hatte er doch eine Führung durch das Schloss Mespelbrunn auf seinem kulturell inspirierten Veranstaltungszettel stehen. Um 9.45 Uhr fuhren die Herrenwanderer vor Ort vor und hatten kaum die Tickets gelöst, als schon „Der Pegador“ auf den Plan trat. Im wahren Leben Lenny genannt, führte der meist sonnenbebrillte junge Mann (Lebensmotto: „Cold hearts don’t melt“) die sieben Herren bei strahlendem Sonnenschein mit klaren Ansagen und trockenen Kommentaren durch das malerisch gelegene Wasserschloss und bereicherte ihr Wissen „im Vorübergehen“, indem er den Ursprung sprichwörtlicher Wendungen offenlegte. So erfuhren alle, warum „der Schuss nach hinten losging“, jemand „Lunte gerochen“ oder einen „auf die Glocke gekriegt hat“, wieso es „getürmt“ und „eingelocht“ heißt und aus welchem Grund einer „am Spieß geschrien“, etwas „auf die hohe Kante gelegt“ und anschließend „abgestaubt“ hat.
Und die Wissenserweiterung umfasste auch die Erkenntnis, dass Schloss Mespelbrunn seine Entstehung einer Schenkung des Mainzer Erzbischofs Johann II. von Nassau verdankt, der das Schloss im Jahr 1412 seinem kurfürstlichen Forstmeister im Spessart, Hamann Echter, übereignete. Dank seiner versteckten Lage überstand das Schloss, das seit dem frühen 15. Jahrhundert bis heute im Familienbesitz ist, alle Kriegswirren. So konnten hier 1957 auch Aufnahmen zum legendären Film „Das Wirtshaus im Spessart“ entstehen.
Frisch gebildet, bogen sechs der sieben Wanderer dann um 11.15 Uhr auf den nahegelegenen „Julius Echter Weg“ ein – und gleich am Anfang ertönte aus einem dicht bewachsenen Balkon sozusagen „von oben“ der klar formulierte Hinweis (es klang eher wie ein Befehl), dass dieser Weg sehr gut ausgeschildert sei. Und das war tatsächlich der Fall, denn gefühlt alle fünf Minuten konnte die Truppe eines von 12 reichlich beschriebenen Stationsschildern entdecken und ihr Bildungsniveau somit erneut „laufend“ erweitern. Höhepunkt des „Echter Wegs“ war unzweifelhaft eine barrierefreie Wassertretanlage im Sinn der „kneipschen Lehre“, die – mit einer Ausnahme, über die wir den Mantel des Schweigens breiten wollen – alle Teilnehmer mutig durchschritten. Entsprechend gut durchblutet ließ sich die zweite Hälfte des Weges leichtfüßig bewältigen ... schon kam das „Hotel zum Engel“ in Sicht, wo man die Strecke noch einmal vor dem geistigen Auge Revue passieren und es sich richtig gut schmecken ließ.
Nach einer mehrstündigen Ruhepause trat die Truppe dann erneut im Basislager zum Abendessen an, wohlig erschöpft, aber guter Dinge. Selbst der gute Penninger kam aus seiner Bärenhöhle hervorgekrochen, um das Herz der Bedienung zu erobern. Um die stets gut gelaunte Caroline Bayer, Schwester der Wirtin Ursula Geis (früher: Roth) war es schnell geschehen. Zu guter Letzt gönnte man sich noch einen (!) Schnaps, dann war die Herrenwanderung 2026 schon fast wieder vorbei.
Sonntag, 20. September 2026
Machen wir’s kurz, damit der Abschied nicht so weh tut: Nach dem Frühstück versammelten sich alle auf einer Bank im großen Innenhof des Anwesens zum traditionellen Gruppenfoto – sieben ältere Herren, die schon viel erlebt haben. Seit dem „Urknall“ im Jahr 1991, als die Herrenwanderer (damals noch jung und zu zehnt) erstmals aufbrachen, hat sich die Welt enorm verändert. Heute, so der Tourmaster, müssen wir alle „mehr China wagen“ (was immer das heißen soll). Hoffentlich laufen wir im nächsten Jahr nicht schon mit Schlitzaugen durch die Gegend. Doch selbst wenn: Hauptsache, wir laufen noch!
Die Routen von oben:

Freitag, 18. September 2026

Samstag, 19. September 2026
Die Wanderungen – relived!
Standortbestimmung:


























































































